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Archäologie

Archäologie – die geheimnisvolle Vergangenheit der Insel Sardinien

Quelle: spezifischer Zeichner: J. E. Walkowitz – Kulturen, File: Megawal42.png, 29.07.2006, CC BY-SA 3.0

 

Sardinien war bereits im Frühpaläolithikum von menschlichem Leben bewohnt, die ersten Spuren gehen auf eine Zeit vor geschätzten 500.000 Jahren zurück.

In diesem Abriss werden frühgeschichtliche Aspekte – Neolitikum, Nuraghen-Kultur, Phönizier, Karthager und Römer – angesprochen.
Eine kurze Auswahl der wichtigsten Ereignisse ab dem Niedergang des Weströmischen Reiches bis zur Eingliederung Sardiniens in das heutige Italien finden Sie unter dem Kapitel Geschichte.

Das Frühneolitikum hat in Sagigrdinien viele Zeitdokumente hinterlassen.
Die Menschen der Cardial- oder Impresso-Kultur genannt, von etwa 6.000 v. Chr. bis 4.000 v. Chr. verzierten Ihre Keramikgefäße mit Muscheln oder dem Weichtier selbst, daher der Name.
Von Wissenschaftlern wird diese Kultur nach den jeweiligen Fundorten in drei unterschiedliche Phasen eingeteilt: Su Carroppu (6.000-4.700 v. Chr.), Grotta Verde (4.700 – 4.300 v. Chr., siehe hierzu auch das Kapitel Höhlen) und Filiestru (4.300-4.000 v. Chr.).

Von 4.000 bis 3.500 v. Chr. folgte die Bonu-Ighinu- oder Bono-Ighinu-Kultur. Es entfaltete sich auch die San Ciriaco-Kultur (3.400-3.200 v. Chr.) und die mit „San Michele di Ozieri“ (siehe auch Höhlen) oder schlicht „Ozieri“ bezeichnete Kultur (3.200-2.800 v. Chr.). Diese drei gelten als verschiedene Stufen der gleichen Kultur.

Die Kultur von Bonu-Ighinu ist eine der ersten Kulturen Sardiniens, die natürliche Hohlräume als Grabstätten genutzt hat. Diese wurden dann mit künstlich erschaffenen Höhlen ausgeweitet und entwickelten sich später in echte Nekropolen.

Die San Ciriaco-Kultur produzierte Keramiken von ausgesprochen guter Qualität, vorzüglich in den Farben Rot-Braun, Gelb oder Grau. Sie verehrten die Muttergottheit Dea Madre. Zahlreiche Statuen bezeugen diesen Kultus. Zum ersten Mal taucht auf der Insel das Stier-Symbol auf.

Die Ozieri-Kultur hat Keramikvasen feinster Verarbeitung hervorgebracht. Es wurden Fundstücke von Dreifuß-Gefäßen mit geometrischen Mustern und roter Färbung entdeckt. Auf diese Zeit gehen auch viele Felsengräber zurück, die Domus de janas (vom Sardischen ins Deutsche übersetzt: Feenhäuser. Diese werden übrigens bis zum frühen Bronzealter erschaffen und genutzt. Heute sind etwa 2.400 dieser weltweit einzigartigen Grabstätten bekannt.). Die Wissenschaftler sehen in der Ozieri-Kultur die erste sardische Hochkultur.

Diese Volksgruppen leben vor allem von Landwirtschaft und Viehzucht, zudem jagen und fischen sie. Sie weben, kennen den Feuerstein, fertigen und handeln Werkzeug aus dem kostbaren Lavagestein Obsidian von Monte Arci (siehe auch Berge).

Aus dieser Zeit stammt der eindrucksvollste Bau pränuraghischer Kultur: der pyramidenförmige, megalithische Altar von Monte Accoddi bei Sassari, eine für Europa einzigartige Struktur.

(GPS Koordinaten: 40.790201, 8.449315)

Zum ersten Mal verarbeiten diese Menschen auch Kupfer und Silber. Die steinzeitliche Ozieri-Kultur wird abgelöst und die frühe, sardische Kupferzeit beginnt. Diese Kultur wird Epi-Ozieri genannt oder auch Abbealzu-Filighosa (2.700-2.400 v. Chr.).  

Es erscheinen die ersten senkrechten Einzelsteine, Menhire (auf sardisch perdas fittas genannt), oftmals auch als steinerne Grabwächter verwandt. Es sind die südlichsten Menhire Europas.

Aufgrund der kapillaren Verbreitung der Menhire, der Steingräber und -bauten der pränuraghischen Kulturen sowie der späteren Nuraghen, gilt Sardinien als Heimat eine dergrößten megalithischen Kulturen weltweit

Die Folgekultur Monte Claro (2.400-2.100 v. Chr.) ist die erste rein kupferzeitliche Kultur auf Sardinien. Sie ist vor allem durch ihre Backofengräber bzw. Domus de janas und ihre völlig ungewöhnliche, rillen- und punktverzierte Keramik bekannt.

Diese Menschen erschaffen Statuenmenhire – senkrecht aufgestellte, glatt bearbeitete Steinblöcke mit antropomorphen Formen.

Die bronzezeitliche Glockenbecherkultur (2.100–1.800 v. Chr.), nach der Form der auftretenden Keramikvasen benannt, ist vermutlich aus Spanien, Frankreich und Mitteleuropa nach Sardinien gelangt. 

Die Datierung der Steinkistengräber mit senkrechten, im Kreis aufgestellten Steinplatten sowie Menhiren ist umstritten. Manche Wissenschaftler sehen sie als Ablösung der Domus de janas und gliedern sie in diese Zeitperiode ein.

Eine andere Art der megalithischen Grabstätte sind die Dolmen. Auf zumeist drei senkrecht stehenden Einzelsteinen ruhen eine oder mehrere Deckplatten. Ein schönes Beispiel hierfür ist Sa Coveccada bei Mores in der Subregion Meilogu.

Auf Sardinien kommen auch die dolmen-ähnlichen Allée couvertes vor.

Eine weitere Evolution der Bestattungsstätte durch hinzu fügen einer vorderseitigen Grabstele und eines Halbrundes sind die nuraghischen Gigantengräber. Sie gelten als die spätesten Megalithanlagen Europas.

Die Bonnanaro-Kultur (1.800-1.600 v. Chr.) ist stark mit der Glockenbecherkultur und der norditalienischen Polada-Kultur verbunden.
Von Wissenschaftlern wird sie aufgrund der Fundstücke in unterschiedlichen Stätten in zwei Phasen unterteilt: Bonnanaro A (1.800-1.650 v. Chr., die Nekropole Corona Moltana bei Bonnanaro in der Subregion Meilogu) und Bonnanaro B (1.650-1.600 v. Chr., das Hypogäum Sant´Iroxi bei Decimoputzu in der Provinz Sud Sardegna).
Knochen- und Steingegenstände machen denen aus Kupfer, Bronze und Silber Platz.

Die Bonnanaro-Kultur wird als Beginn der nachfolgenden Nuraghen-Kultur angesehen. Während dieser Zeit entstehen die ersten Proto-Nuraghen (siehe hierzu auch Nuraghen).

Ab etwa 1.600 v. Chr. entsteht aus der Bonnanaro-Kultur, aber auch als Ergebnis aller vorhergehenden, megalithischen Kulturen Sardiniens die Nuraghen-Kultur.

Sie wird bis in das 2. Jahrhundert v. Chr., zur Zeit der römischen Vorherrschaft, anhalten und zeichnet eine ausgesprochene Hochkultur aus.

Die Menschen dieser Kultur waren ein Volk der Krieger, Bauern und Viehzüchter, pflegten aber auch die Schifffahrt und den Handel. Sie waren in unterschiedliche Clans aufgeteilt. Die Nuraghier besaßen eine außerordentliche Kunstfertigkeit und stellten beispielsweise kleine, ausgesprochen detailreiche, realistische oder phantasievolle Bronze-Figuren (bronzetti) her. Dolche wurden zu Schwertern aus einer besonders robusten Kupfer-Arsen-Legierung weiterentwickelt.

Bis in die heutige Zeit sind etwa 7.000 der einstmals wohl um die 10.000 errichteten, weltweit einzigartigen Turmbauten bekannt, die „Nuraghen“ nach denen die Kultur benannt ist (siehe auch Nuraghen).

Menhire, Statuenmenhire und Steinkreise werden weiter erbaut, bis zu 30 m lange Gigantengräber, Nuraghentempel („Megarontempel“, im Fall von Säulen „Antentempel“ genannt) und Brunnentempel kommen hinzu.

Sehenswert ist das Gigantengrab von Coddu Vecchiu bei Arzachena im Nordosten der Insel. Es wurde in drei Phasen erschaffen: während der Monte Claro-, der Bonnanaro- sowie während der Nuraghen-Kultur.

(GPS Koordinaten: 41.050239, 9.355904)

Beeindruckend ist auch das wohl am besten erhaltene Gigantengrab der Insel S’Ena e Thomes bei Dorgali im Osten. Hier ist auch die stierkopfartige Form der gesamten Anlage zu erkennen. Diese Bauform zusammen mit der symbolisierten Muttergottheit soll nebst der Funktion des Gigantengrabes als Grabstätte, auch als Kultstätte in der Heiligungsrituale stattfanden, schließen lassen.  

(GPS Koordinaten: 40.378972, 9.515297)

Der Brunnentempel Santa Cristina bei Paulilatino ist eines der schönsten Kultstätten und gilt ferner als Beweis dafür, dass dieses Volk für die Zeit beeindruckende astronomische Kenntnisse besaß: Über eine kleine Vorhalle führen 25 mit höchster Präzision angefertigte Basaltstufen hinunter in den tholosartigen Brunnenschacht zur unterirdischen Quelle. Alle 18 Jahre und 6 Monate spiegelt sich Ende Dezember / Anfang Januar im Quellwasser der Mond. Diese Gesetzmäßigkeit lässt darauf schließen, dass die Nuraghier erstaunliche astronomische Beobachtungen betrieben.

Das Brunnenheiligtum liegt in einem mehr als 10 Hektar großen Park mit zahlreichen alten Ölbäumen und ist von einem großen Tempelbezirk umgeben. Reste der Grundmauern von Pilgerhütten und Verkaufsständen sind noch heute zu erkennen.

(GPS Koordinaten: 40.061286, 8.730059)

Ein weiteres, sehr schönes Beispiel der beeindruckenden Nuraghen-Kultur ist die archäologische Fundstätte Romanzesu etwa 13 km von Bitti, unweit von Nuoro, im Landesinnern.
Diese Siedlung aus der Bronzezeit erstreckte sich auf einer Fläche von über 7 Hektar. Noch heute sind die archäologischen Reste sowohl der Siedlung als auch eines Brunnenheiligtums, zweier Megarontempeln, einem rechteckigen Tempel, eines labyrinthförmigen Baus (die Annahme ist, dass dieser dem Oberhaupt oder dem Medizinmann gehört habe) sowie eines Amphittheaters zu erkennen.

(GPS Koordinaten: 40.530422, 9.324979)

Besonders eindrucksvoll sind die sogenannten Giganti di Monte Prama, nach dem Fundort in der Nähe von Cabras an der Westküste benannt. Dies sind 2 bis 2,5 m große Sandsteinskulpturen, die bisher älteste freistehende Großplastik Europas.

25 restaurierte Teil-Skulpturen der ehemals wohl insgesamt mehr als 44 Statuen sind seit dem Jahr 2011 im Archäologischen Museum in Cagliari

(GPS Koordinaten: 39.221886, 9.116639)

sowie im Archäologischen Museum von Cabras ausgestellt.

(GPS Koordinaten: 39.924820, 8.525452)

Zwischen dem 10. und dem 8. Jahrhundert v. Chr., der Blütezeit der Nuraghen-Kultur, kamen die Phönizier aus der östlichen Mittelmeerküste nach Sardinien. Sie kamen des Handels wegen und nicht als Eroberer. Friedvoll lebten die levantinischen Händler mit dem Nuraghen-Volk zusammen und brachten neue Technologien, Lebensstile und Impulse für den Handel.

Ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. interessieren sich die Punier für Sardinien und dessen Erzvorkommen im Iglesiente (siehe auch Subregionen). Genau wie Sizilien möchten sie auch diese Insel erobern.
Im Zuge einer zweiten Spedition verwirklichen sie im Jahr 510 v. Chr. ihr Ziel, große Teile Süd- und Westsardiniens sind in ihrer Hand. Sardinien ist nun zweigeteilt.
Die Punier verbieten die Bewirtschaftung von Obstbäumen des ausschließlichen Getreideanbaus wegen.

Die punischen Städte auf Sardinien sind die einzigen, die nach dem Vorbild Karthagos regiert werden.
Bedeutende Zeugnisse dieser Zeit sind: Die Nekropole Tuvixeddu der Inselhauptstadt Cagliari (damals Karalis genannt). Sie ist eine der weitläufigsten phönizisch-punischen Nekropolen des gesamten Mittelmeerraumes.

(GPS Koordinaten: 39.227791, 9.101679)

Das Tofet von Sant´Antioco (damals Sulki) ist die größte bekannte phönizisch-punische Kultstätte.

(GPS Koordinaten: 39.071197, 8.450976)

Nach dem Ersten Punischen Krieg, im Jahr 238 v. Chr., erlangen die Römer die Herrschaft des strategisch wichtigen Sardiniens – zumindest der Teile unter vorhergehender punischer Macht. Weite Teile Sardiniens werden noch lange in Selbstbestimmung vom Nuraghen-Volk bewohnt. Nur allmählich findet eine gewisse Integration statt.

Als der letzte Rückzugsort des Nuraghen-Volkes gilt die Nuraghen-Siedlung Tiscali in der karstigen Doline des gleichnamigen Berges bei Oliena. Sie wurde wahrscheinlich bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. bewohnt. 

(GPS Koordinaten: 40.241468, 9.491749)

Cagliari, damals Karlis genannt, wird zur römischen Hauptstadt. Sie wird um römische Bauten bereichert, wie das Amphitheater

(GPS Koordinaten: 39.223762, 9.111786).

Im Norden gründen die Römer den Hafen Turris Libisonis, das heutige Porto Torres.

Die punische Stadt Olbia wird zu einem bedeutenden Zentrum erweitert.

Aquädukte, Thermen und Piazze werden erschaffen.

Der Getreideanbau wird weiterentwickelt. Sardinien wird wie Sizilien und Ägypten zur Kornkammer Roms.

Das größte Erbe Sardiniens der römischen Vorherrschaft ist aber wahrscheinlich die romanische sardische Sprache (siehe auch Sprachen).  

Ein sehr schönes Beispiel für die unterschiedlichen, aufeinanderfolgenden Kulturen ist die Ausgrabungsstätte Nora südwestlich von Cagliari. Hier wohnte bereits das Nuraghen-Volk, später mit den Phöniziern. Daraufhin errichteten die Punier ihre Stadt und schließlich die Römer.

(GPS Koordinaten: 38.985188, 9.016535)

Ein ähnliches Beispiel ist auch Tharros bei Oristano, an der Sinis-Halbinsel im Westen. Diese Stadt wurde von den Phöniziern in der Nähe einer Nuraghen-Siedlung erbaut. Funde belegen, dass das Nuraghen-Volk die eigene Siedlung verließ und friedvoll zum Aufbau der neuen Stadt beigetragen hat. Danach wurde die Stadt von den Phöniziern befestigt und wiederum von den Römern erobert und erweitert.
(GPS Koordinaten: 39.874489, 8.440074)

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