Die Murales auf Sardinien sind weit mehr als dekorative Wandmalereien. Sie erzählen von Politik und Gesellschaft, vom Leben der Menschen, ihrer Geschichte und ihren Traditionen. Besonders bekannt sind die Murales von Orgosolo und San Sperate. Doch auch in vielen anderen Orten der Insel begegnet man dieser besonderen Kunstform – und immer wieder kommen neue Werke hinzu.
Was sind Murales?
Als Murales werden künstlerische Bemalungen von Außenwänden und Mauern bezeichnet, die häufig mit der Freskotechnik ausgeführt werden.
Die Kunstrichtung des Muralismo entstand in den 1920er-Jahren in Mexiko. Sie befasste sich vornehmlich mit nationalen, sozialkritischen und historischen Inhalten.
Die Murales von Orgosolo
Auf Sardinien entstanden die ersten Murales Ende der 1960er-Jahre im Bergdorf Orgosolo. In diesen Wandmalereien fanden vornehmlich aktuelle politische und soziale Themen Ausdruck.
Typische Elemente dieser Kunstform in Orgosolo sind ausdrucksstarke Gesichter, große Hände, Dreidimensionalität und leuchtende Farben. Viele Werke setzen sich mit politischen Ereignissen, gesellschaftlichen Konflikten und dem Leben der sardischen Bevölkerung auseinander.
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich Orgosolo zu einem der bekanntesten Zentren des sardischen Muralismo. Dabei sind die Wandmalereien keineswegs eine abgeschlossene Sammlung aus vergangenen Zeiten. Bis heute entstehen neue Murales, während bestehende Werke das Ortsbild und seine Geschichte dokumentieren. Orgosolo bleibt damit eine sich verändernde Freiluftgalerie, in der es auch bei einem erneuten Besuch Neues zu entdecken gibt.
San Sperate und Pinuccio Sciola
Fast zeitgleich entwickelte sich San Sperate zu einem weiteren Zentrum des sardischen Muralismo. 1968 griff der aus San Sperate stammende Künstler Pinuccio Sciola die Idee auf, Kunst aus den Museen und unmittelbar zu den Menschen zu bringen.
Gemeinsam mit Freunden begann er, Hauswände mit Kalk weiß zu tünchen und anschließend zu bemalen. Die Bevölkerung beteiligte sich ebenso wie Künstler aus Sardinien, Italien und anderen Ländern. Viele Motive stammen aus der landwirtschaftlichen Traditionswelt und erzählen vom Alltag und von der Geschichte des Ortes.
Aus dieser Idee entwickelte sich San Sperate zum „Paese Museo“ – einem Museumsdorf unter freiem Himmel. Heute prägen Hunderte Murales und weitere Kunstwerke den Ort. Das Projekt lebt weiter: Noch immer tragen lokale und internationale Künstler dazu bei, sodass auch hier neue Kunst entsteht und sich das Ortsbild immer wieder verändert.
Murales in weiteren Orten Sardiniens
Orgosolo und San Sperate sind die bekanntesten Beispiele, doch längst hat sich der Muralismo über die gesamte Insel verbreitet.
Viele weitere Ortschaften Sardiniens haben die Inspiration aufgegriffen und ihre Dorfarchitektur durch Wandmalereien und andere Kunstausdrücke bereichert. Schöne Beispiele finden sich unter anderem in Tinnura, Fonni, Serramanna, San Gavino, Montresta, Suni und Palau.
Auch dort ist die Entwicklung nicht abgeschlossen. Neue Künstler, neue Techniken und neue Themen kommen hinzu. Neben klassischen Murales findet man zunehmend auch moderne Street Art. Die offizielle Tourismusseite Sardiniens beschreibt diesen Wandel ausdrücklich als Entwicklung von den Murales zur Street Art und vom politischen Protest hin zu neuen künstlerischen Ausdrucksformen.
Wer Sardinien bereist, sollte deshalb auch abseits der bekannten Orte die Augen offen halten. An Hausfassaden, Mauern und manchmal ganz unerwarteten Stellen gibt es immer wieder neue Werke zu entdecken.
Übernachten im Künstlerort San Sperate
Wer die Murales nicht nur auf einem Tagesausflug entdecken möchte, kann in San Sperate auch direkt im Künstlerort übernachten.
UNSER TIPP
Casa Mammai in San Sperate
Drei individuelle Apartments im Künstlerort San Sperate – ideal, um Murales und „Paese Museo“ in Ruhe zu entdecken.