Mehr als 80 Prozent der sardischen Landschaft bestehen aus Bergen und Hügeln. Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Hochplateaus und markanten Felsformationen. Hinzu kommen eindrucksvolle Höhlen, die nicht nur geologisch interessant sind, sondern teilweise auch bedeutende archäologische Fundstätten beherbergen.
Welche Berge und Gebirge gibt es auf Sardinien?
Nur ein kleiner Teil der Berge Sardiniens erreicht eine Höhe von mehr als 1.500 Metern. Die höchsten Gipfel der Insel gehören zum Gennargentu-Massiv im Zentrum Sardiniens. Dazu zählen die Punta La Marmora mit 1.834 Metern, der Bruncu Spina mit 1.829 Metern und der Monte Spada mit 1.595 Metern.
Der höchste Berg Sardiniens ist die Punta La Marmora mit 1.834 Metern. Sie liegt im Gennargentu, dem bedeutendsten Bergmassiv der Insel.
Im Norden ragt der Monte Limbara in der Gallura bis auf über 1.300 Meter empor.
Die bizarren Granitformationen des Monte Limbara und des Monte Ortobene bei Nuoro, der helle Kalkstein-Gebirgszug des Monte Albo im Nordosten, die kontrastreiche Karstlandschaft des Supramonte sowie der Monte Arci bei Oristano und der Monte Linas im Iglesiente machen die Bergregionen der Insel zu beliebten und teilweise anspruchsvollen Zielen für erfahrene Wanderer, Kletterer und Mountainbiker.
Hochplateaus und Tacchi auf Sardinien
Die Hochflächen Sardiniens sind ausgesprochen eindrucksvoll und bieten besondere Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Je nach geologischer Beschaffenheit werden sie unterschiedlich bezeichnet: Giara nennt man vor allem basaltisch geprägte Hochflächen, während die für die Ogliastra typischen tafelbergartigen Kalk- und Dolomitformationen als Tacchi bezeichnet werden.
Giara di Gesturi
Die Giara di Gesturi in der Marmilla erstreckt sich über rund 45 Quadratkilometer. Ihre basaltische Landschaft entstand durch vulkanische Aktivität und ist vor allem als Heimat der kleinen sardischen Wildpferde, der Cavallini della Giara, bekannt.
Giara di Serri
Die Giara di Serri zwischen Marmilla und Sarcidano ist mit rund vier Quadratkilometern deutlich kleiner, archäologisch jedoch besonders bedeutend. Hier befindet sich das Nuraghenheiligtum Santa Vittoria di Serri, eines der wichtigsten Heiligtümer der Nuraghenkultur.
Scala di San Giorgio bei Osini
Das Monumento Naturale Scala di San Giorgio bei Osini in der Ogliastra ist ein markanter natürlicher Durchgang in der Felslandschaft.
Sein Name ist mit einer Legende verbunden, die bereits im Mittelalter überliefert wurde. Demnach soll der Bischof San Giorgio den Durchgang im Berg geschaffen haben, um Pilgern den beschwerlichen Weg zu erleichtern. Auch eine Wasserquelle wird der Legende nach mit ihm in Verbindung gebracht. Ihm zu Ehren wurde später eine Landkirche am Fuß des Berges errichtet.
Perda ‘e Liana
Ein weiteres Naturdenkmal der Ogliastra ist Perda ‘e Liana bei Gairo. Der markante Taccu erreicht eine Höhe von 1.293 Metern und ragt wie ein gewaltiger Felsturm aus der Landschaft. Er gilt als höchster der charakteristischen Tacchi der Ogliastra.
Golgo-Hochebene
Die Golgo-Hochebene bei Baunei in der Ogliastra ist eine eindrucksvolle Karstlandschaft, die von Kalksteinfelsen und mediterraner Vegetation geprägt wird. Eine geologische Besonderheit ist Su Sterru, ein rund 270 Meter tiefer natürlicher Karstschacht. Auf der Hochebene befindet sich außerdem die kleine Kirche San Pietro di Golgo.
Die Tacchi der Ogliastra
Auch die Tacchi von Jerzu, Ulassai und Tertenia prägen die Landschaft der Ogliastra. Die mächtigen Kalk- und Dolomitformationen bilden gemeinsam mit Wäldern und Schluchten einen außergewöhnlichen Naturraum. Hier lebt unter anderem der sardische Rothirsch Cervus elaphus corsicanus.
Höhlen auf Sardinien
Sardiniens Höhlen sind nicht nur aufgrund ihrer geologischen Vielfalt interessant. In zahlreichen Grotten wurden auch bedeutende archäologische Funde gemacht, die Einblicke in die frühe Besiedlung der Insel ermöglichen.
Tiscali – Nuraghendorf in einer eingestürzten Höhle
Eine Besonderheit ist Tiscali im Supramonte zwischen Dorgali und Oliena. In einer großen, durch den Einsturz einer Karsthöhle entstandenen Doline liegen die Überreste eines nuraghischen Dorfes. Die außergewöhnliche Lage macht Tiscali zugleich zu einem geologischen und archäologischen Ziel. Tiscali ist nur zu Fuß erreichbar, eine Wanderung mit einem ortskundigen Guide ist empfehlenswert.
GPS-Koordinaten: 40.2409, 9.4918
Grotta di San Michele bei Ozieri
Besonders bedeutend ist die Grotta di San Michele in Ozieri im Norden Sardiniens.
Hier wurden fein gearbeitete und verzierte Keramikgefäße aus dem Neolithikum entdeckt. Der Fundort gab der Ozieri-Kultur ihren Namen, die etwa zwischen 3.200 und 2.800 v. Chr. auf Sardinien verbreitet war. Die Höhle wurde unter anderem als Kultstätte und Nekropole genutzt.
GPS-Koordinaten: 40.580704, 9.004096
Grotta Verde bei Alghero
Sowohl aus archäologischer als auch aus naturkundlicher Sicht bemerkenswert ist die Grotta Verde, auch Altare di S. Erasmo genannt, bei Alghero im Nordwesten der Insel.
In ihr wurden Spuren menschlicher Nutzung aus der Jungsteinzeit entdeckt, darunter Keramikfragmente, Felsgravuren und Wandmalereien. Nach diesem Fundort wurde die sogenannte Cultura della Grotta Verde benannt.
Ein imposanter, zum Meer ausgerichteter Felsvorsprung bildet den Zugang. Der Pflanzenbewuchs am Eingang mit seinen unterschiedlichen Grüntönen gab der Höhle ihren Namen.
Die Höhle ist nicht regulär touristisch erschlossen. Möglichkeiten für einen Besuch sollten daher vorab geprüft werden.
GPS-Koordinaten: 40.565022, 8.164986
Grotta di Nettuno am Capo Caccia
Sehr bekannt und touristisch gut erschlossen ist die Grotta di Nettuno am Capo Caccia bei Alghero.
Die knapp über dem Meeresspiegel gelegene Tropfsteinhöhle kann bei geeigneten Wetter- und Seebedingungen vom Meer aus erreicht werden. Alternativ führt die spektakuläre Escala del Cabirol mit ihren 656 Stufen hinunter zur Höhle.
Im Inneren befinden sich ein unterirdischer Salzsee sowie eindrucksvolle Säle mit zahlreichen Tropfsteinformationen.
GPS-Koordinaten: 40.565188, 8.160559
Grotta di San Giovanni bei Domusnovas
Die Grotta di San Giovanni bei Domusnovas im Südwesten Sardiniens ist ein außergewöhnliches Karstphänomen und als Naturdenkmal geschützt.
Eine Straße durchquert die rund 850 Meter lange natürliche Galerie. Früher konnte die Höhle sogar mit Fahrzeugen durchfahren werden. Seit ihrer Unterschutzstellung ist sie nur noch zu Fuß zugänglich. Heute lässt sie sich auf ihrer gesamten Länge durchqueren.
Auch die Felswände in der Umgebung sind bei Kletterern beliebt.
GPS-Koordinaten: 39.336798, 8.627531
Grotta Su Mannau bei Fluminimaggiore
Die Grotta Su Mannau liegt bei Fluminimaggiore im Südwesten Sardiniens und besitzt ein weit verzweigtes Höhlensystem von insgesamt rund acht Kilometern. Etwa 500 Meter sind für Besucher erschlossen.
Die Höhle ist sowohl geologisch als auch archäologisch interessant. In ihrem Inneren finden sich klare Wasserbecken, Stalaktiten und Stalagmiten. Außerdem leben hier seltene, an die unterirdische Umgebung angepasste Tierarten, darunter Stenasellus nuragicus.
GPS-Koordinaten: 39.407711, 8.493910
Grotta Is Zuddas bei Santadi
Bei Santadi im Sulcis befindet sich die Grotta Is Zuddas. Sie entstand in rund 530 Millionen Jahre altem kambrischem Kalkstein und erstreckt sich über insgesamt etwa 1.650 Meter. Rund 500 Meter davon gehören zur Besucherroute.
Besonders faszinierend ist die Vielfalt ihrer Tropfsteinformationen: Neben Stalaktiten und Stalagmiten gibt es Sintervorhänge, feine Röhrchen sowie außergewöhnliche Aragonitformationen, die teilweise scheinbar entgegen der Schwerkraft wachsen.
GPS-Koordinaten: 39.046251, 8.705371
Grotta Su Marmuri bei Ulassai
Die Grotta Su Marmuri befindet sich bei Ulassai in der Ogliastra und gehört zu den eindrucksvollsten Höhlen Sardiniens.
Etwa 850 Meter sind für Besucher zugänglich. Einige Höhlenwände erreichen eine Höhe von bis zu 70 Metern. Im Inneren befinden sich kleine Seen sowie zahlreiche Stalaktiten, Stalagmiten und mächtige Tropfsteinsäulen. Die Temperatur liegt ganzjährig bei etwa 10 °C.
Im Winter bietet die Grotta Su Marmuri zudem rund 27.000 Fledermäusen der Art Miniopterus schreibersii ein wichtiges Winterquartier – eine der bedeutendsten Fledermauskolonien Italiens.
GPS-Koordinaten: 39.815560, 9.486935
Grotta Ispinigoli bei Dorgali
In der Nähe von Dorgali an der Ostküste liegt die beeindruckende Grotta Ispinigoli.
Über zahlreiche Stufen gelangt man in einen gewaltigen Höhlensaal. Besonders eindrucksvoll ist eine etwa 38 Meter hohe Tropfsteinsäule, die durch das Zusammenwachsen eines Stalaktiten mit einem Stalagmiten entstanden ist.
Eine weitere Besonderheit ist der rund 60 Meter tiefe Abisso delle Vergini. Frühere Deutungen brachten diesen Schlund mit Menschenopfern in Verbindung; archäologische Funde weisen jedoch auf seine Nutzung als Begräbnisstätte hin.
GPS-Koordinaten: 40.318169, 9.606455
Grotta del Bue Marino bei Cala Gonone
Die Grotta del Bue Marino liegt bei Cala Gonone am Golf von Orosei. Ihren Namen verdankt sie der Mittelmeer-Mönchsrobbe, die die Höhlen früher als Lebensraum nutzte.
Die Meeresgrotten besitzen insgesamt rund 15 Kilometer lange Hohlräume. Für Besucher ist im südlichen Höhlenarm ein etwa 900 Meter langer Weg erschlossen. Die Grotta del Bue Marino ist Teil des wesentlich größeren Karstsystems Codula di Luna, das sich über rund 70 Kilometer erstreckt.
Im Inneren befinden sich unter anderem Süßwasserseen, Tropfsteinformationen und archäologische Zeugnisse aus prähistorischer Zeit.
GPS-Koordinaten: 40.246991, 9.622932





















